Familienhilfe im Wandel der Zeit

Letzten Freitag fand im Lehrbauhof eine Feier zu 50 Jahre Familienhilfe in Salzburg statt. Da ich bis vor kurzem Teil der Caritas Familienhilfe war, freute ich mich sehr auf diesen speziellen Anlass. Ich wusste, dass es Vorträge, Festreden, Musik, Buffett und eine Ausstellung geben wird. Dennoch war die Überraschung groß. Die Ausstellung, die drei Familienhelferinnen in Zusammenarbeit mit der Einrichtungsleitung Mag.a Brigitte Kummerer konzipiert und errichtet hatten, übertraf alle Erwartungen. Liebevoll wurde ein altes und ein neues Wohnzimmer aufgebaut, Fotos und Presseartikel, Süßigkeiten, Spielsachen, Bücher, Schaufensterpuppen in ehemaliger und aktueller Dienstkleidung, etc. ausgestellt. Vieles zum Lesen und Betrachten – vieles aber auch zum “Be-greifen”, zum Riechen und zum Schmecken. Schade, dass die Ausstellung nur für den Tag der offiziellen Feier gedacht war und nicht für einen längeren Zeitraum erhalten bleiben konnte. So konnte nur eine kleine Zahl von Interessierten die vielfältige, veränderte Aufgabe einer Familienhelferin, eines Familienhelfers in dieser Form erleben.

Verändert hat sich in diesem Bereich einiges. Bei der Durchsicht alter Personalakten erschütterten mich handschriftliche Berichte von jungen Familienhelferinnen, die wochenlang rund um die Uhr auf einsamen Bauernhöfen im Einsatz waren, neben vier Kindern noch die Kühe und sonstiges Vieh zu versorgen hatten – unterstützt nur von der Schwiegermutter des Bauern, während der Kindesvater auf den Feldern oder sonst wo arbeitete, der Schwiegervater den Tag mit Karten spielen und Biertrinken zubrachte und die Bäuerin auf wohl verdienter Muttererholung weilte.

Derartige Arbeitsbedingungen sind in der Familienhilfe zum Glück Vergangenheit. Sie erinnern jedoch an die Situation von Pflegerinnen aus Osteuropa, die derzeit teilweise sicher mit vergleichbaren Situationen konfrontiert sind. Die Tätigkeit an sich ist anspruchsvoll und vielseitig geblieben. FamilienhelferInnen sind im Einsatz, wenn Eltern (zumeist Mütter) erkranken. Oft ist die Erkrankung eine psychische – Erschöpfung, Überforderung, Zusammenbruch von Frauen, die an den hohen widersprüchlichen Anforderungen scheitern. FamilienhelferInnen arbeiten nicht im Büro oder an einem neutralen Ort. Sie arbeiten unmittelbar in den Wohnungen der KundInnen. Dafür ist es ebenso nötig ein gutes Vertrauensverhältnis zu der Familie aufzubauen, wie sich abzugrenzen.

Seit 50 Jahren gibt es die Familienhilfe. Eine Zeit in der sich viel verändert hat, in der die Familienhilfe jedoch nie ihre Berechtigung verloren hat. Im Gegenteil. Es gibt viele neue spannende Aufgaben, zum Beispiel ist eine Betreuung kranker Kinder, deren Eltern arbeiten (müssen) durch FamilienhelferInnen derzeit nicht möglich (anders in OÖ), auch die Unterstützung von Eltern mit (geistiger) Behinderung wäre eine interessante Aufgabe für die Familienhilfe. Herausforderungen für die Familienhilfe gibt es genug, ob auch der politische Wille zum Ausbau und zur Weiterentwicklung (auch im Sinne von Finanzierung) vorhanden ist, werden die nächsten 50 Jahre zeigen.

Alles Gute!

Gruppenbild ohne Anita

Die Stadtversammlung hat ihre KandidatInnen für die Gemeinderatswahl 2009 gewählt.

Es war mir ein großes Anliegen, dass es eine Wahl gibt. Dass Erneuerung und Verbreiterung (vor allem auch in der Altersstruktur) stattfindet. Das war meine Hauptmotivation mich ebenfalls der Wahl zu stellen.

Heute blicke ich mit gemischten Gefühlen auf die Wahl zurück. Es freut mich, dass Barbara Sieberth, die ich sehr schätze als jüngste zur Wahl stehende Person gewählt wurde. Ich finde es schade, dass sie die einzige Erneuerung unter den ersten sechs KandidatInnen darstellt, und dass Sonja Schiff die Wahl gegen Ingeborg Haller verloren hat. Ich hätte mir zwei bis drei neue Menschen unter den ersten sechs gewünscht um einen guten Mix aus “alten Hasen” und “hochmotivierten, leicht naiven Neulingen mit Bodenhaftung” zu erreichen.

Ich wünsche Barbara Sieberth von Herzen alles Gute! Die erste Zeit als Neue, die dafür “verantwortlich” ist, dass eine Mitstreiterin verloren ging wird sicher hart. Hatte doch das derzeitige Team nie ein Hehl daraus gemacht, dass es unverändert weiter machen will und neue Menschen erst ab Platz sieben aufnehmen möchte. Vielleicht schafft die Bürgerliste ja auch mehr als sechs Mandate… Die Hoffnung lebt.

TAG der Entscheidung

Morgen wählt die Stadtversammlung die KandidatInnen der Bürgerliste – den GRÜNEN in der Stadt für die Gemeindewahl im März. Für mich ist diese Wahl doppelt spannend, da ich mich als Kandidatin der Wahl stellen werde. Es wird ohne Zweifel spannend, da alle sechs bisher im Gemeinderat vertretenen Mitglieder wieder kandidieren werden und mehrere neue Bewerbungen eingereicht worden sind.

Obwohl die Nervosität steigt, freue ich mich sehr auf die verschiedenen Präsentationen und einen spannenden Wahlabend!

Eltern mit geistiger Behinderung

Am 1.Oktober veranstaltet die Lebenshilfe Salzburg eine hochinteressante Tagung: Kinderwunsch und Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung. Die Tagung ist teilweise inklusiv gestaltet.

folder lebenshilfe

Ein Thema, das mich bereits sehr lange begleitet und für das ich mich auch in meiner Tätigkeit in der Caritas Familienhilfe immer wieder eingesetzt habe.

Das erste mal wurde ich mit diesem Thema konfrontiert, als mir meine Pflegeschwester mit geistiger Behinderung im Alter von ca. 14 Jahren eines Abends mitteilte, dass sie später wohl keine Kinder bekommen werde, weil sie glaubt, dass sie “das nicht schaffen” würde. Ich war damals ca. 11 Jahre. Die kurze Szene hat sich bei mir eingeprägt. Ich konnte ihr damals nicht widersprechen, nicht einmal wirklich Mut zusprechen. Ich war beeindruckt von ihrer Selbsteinschätzung und bis heute bin ich, wenn ich an diesen Abend denke zugleich traurig. Sie blieb konsequent bei ihrem Entschluss. Mit ca. 19 Jahren erkundigte sie sich bei mir ausführlich über Verhütungsmöglichkeiten, da ihre Sachwalterin sie zur Dreimonatsspritze drängte. Ich erklärte ihr die verschiedenen Möglichkeiten und begleitete sie zum Frauenarzt. Nach einem Informationsgespräch im Nebenzimmer, ging sie alleine zur Untersuchung. Sie entschied sich nach langen Überlegungen von sich aus für die Pille. Zwei Monate beantwortete ich täglich die gleichen Fragen. Von da an kümmerte sie sich selbständig um die Einnahme, die Rezepteund die Untersuchungen.

Sie lebt seit vielen Jahren alleine, hat einen geschützten Arbeitsplatz und eine Sachwalterin für verschiedene Belange. Sie hat immer wieder einen Freund. Kinder waren nie wieder ein Thema zwischen uns.

Vielleicht ist sie nicht traurig. Vielleicht hatte sie nie einen Kinderwunsch. Vielleicht hat sie es auch nur nie gewagt, sich welche zu wünschen, weil sie wusste, dass sie mit der Pflege und Erziehung eines Kindes überfordert wäre – alleine. Wenn Unterstützung und Begleitung selbstverständlich wären, hätte sie sich vielleicht anders entschieden.

In meiner Arbeit und in meinem privaten Umfeld konnte ich immer wieder feststellen, dass Sexualität von Menschen mit Behinderung (vor allem bei geistiger Behinderung) nach wie vor tabuisiert wird. Die Idee vom “ewigen Kind” ist in vielen Köpfen nach wie vor einbetoniert. Dennoch war die Zwangssterlisation viel zu lange selbstverständlich, denn ein noch größeres Tabu ist das Thema Mensch (vor allem Frau!) mit Behinderung und Kind.

Doch wann ist Frau/Mann zu “behindert” um ein Kind zu bekommen? Ist das Recht auf eigene Kinder ein Menschenrecht? Wieviel und vor allem welche Unterstützung ist notwendig? Wer hat die Obsorge? Wie kann das Kindeswohl sichergestellt werden? Das sind die tatsächlich relevanten Fragen und nicht, ob ein Mensch einen Kinderwunsch haben darf oder nicht! Und genau um diese Fragen geht es in der Tagung. Das Thema soll dabei nicht nur für die Betroffenen erörtert werden, sondern mit ihnen. Daher wird sie teilweise inklusiv gestaltet um eine möglichst gleichberechtigte Teilnahme von allen Anwesenden zu ermöglichen.

Fritz zum Schmunzeln

Gestern in meinem Briefkasten. Auf einem Folder das Programm vom Fritz im Detail…

allein erziehen in Salzburg

Der Verein für allein erziehende Mütter und Väter in Salzburg hat die Ergebnisse einer Befragung unter Mitgliedern des Vereins veröffentlicht. Die Ergebnisse sind leider nicht wirklich überaschend. Die prekäre Situation der alleinerziehenden Mütter wird in trauriger Weise bestätigt. Einkommen, Kinderbetreuung und die Wohnisituation sind das bestimmende Thema bei Salzurgs AlleinerzieherInnen. Die Einkommenssituation ist auch bei gut ausgebildeten Frauen eher nicht erfreulich. Mehr als die Hälfte lebt unter bzw. knapp an der Grenze zur Armutsgefährdung. Vollzeitbeschäftigung ist die Ausnahme. Zu dieser unvorteilhaften Ausgangslage konmen hohe Kosten für unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Vor allem an der Betreuung von unter dreijährigen Kindern in Krabbelstuben, der Ferienbetreuung und der Betreuung kranker Kinder (in der Studie nicht abgefragt, aber meines Wissens ein großes Problem) scheitert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Doch nicht nur, die Frage einer geeigneten Betreuung, sondern vor allem die zum Teil sehr hohen Kosten belasten die ohnehin niedrigen Einkommen. Während in Österreich andernorts der Kindergartenbesuch kostenlos ist, ist in Salzburg nach wie vor ein monatlicher Mindestbeitrag von €72.- vorgeschrieben, was die Bürgeliste (die GRÜNEN in der Stadt) wiederholt kritisiert. Besonders belastet wird das Haushaltseinkommen, aber durch außerordentlich hohen Wohnungskosten in Salzburg. Durch den Mangel an geförderten Mietwohnungen, müssen viele auf den privaten Immobilienmarkt ausweichen. Eine Wohnbeihilfe ist in diesem Fall in Salzburg eher nicht zu erwarten, da diese an sehr strenge Kriterien geknüpft ist.

Es überascht daher nicht, dass die Mitglieder sich vom Verein Informationen über Ermäßigungen, Rechts- und Sozialberatung, aber vor allem politische Vertretung wünschen! Vielen Herausforderungen im privaten und beruflichen Alltag müssen sich alleinerziehende Mütter und Väter stellen. Eine Aufgabe der Politik ist es geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. In diesem Sinne veröffentlicht die Österreichische Plattform für Alleinerziehende Positionen der wahlwerbenden Parteien – mit Ausnahme von FPÖ, LIF und Fritz, die auf die ausgesendeten Fragen (noch) nicht geantwortet haben.

Verlustanzeige

Der “Löwe” ist seit 27.8.2008 abgängig (Katastrophe für Jonas).
Falls jemand so einen ähnlichen Löwen kennt oder sieht: bitte beschaffen! (abkaufen, tauschen, stehlen?, …), denn Jonas ist sehr unglücklich!!!!
Sachdienliche Hinweise bitte an: anita(at)pleschko.at

29. Bundeskongress der Grünen

Heute nehme ich am Bundeskongress der Grünen in Graz teil.

Bestimmendes Thema: die Wahl der Bundesliste.

Den Verlauf der Sitzung dokumentiere ich aus meiner persönlichen Sicht auf Twitter

Arbeitsmarkt”service”

Nachdem ich mein Arbeitsverhältnis mit meinem Dienstgeber mit Ende September einvernehmlich lösen werde, habe ich von der Möglichkeit einer “Frühmeldung” am AMS gebrauch gemacht. Eine Frühmeldung ist eine freiwillige Option bereits vor Eintritt der Arbeitslosigkeit als arbeitssuchend aufgenommen zu werden. Aufgrund meiner Meldung, erhielt ich einen Gesprächstermin, an dem ich wiederum freiwillig erschien.  Mein Berater fand es nicht der Mühe wert mich anzublicken, da alles was er seiner Meinung nach wissen musste ohnehin auf seinem Monitor aufschien. Abgesehen davon, dass er zwischenzeitlich zwei Blatt Papier aushändigte, die er ebenfalls musterte, blieb er für das restliche Gespräch beharrlich dabei, Blickkontakt zu meiden. Da ich noch bis Ende September angemeldet bin, versicherte er sich noch einmal, ob ich tatsächlich jetzt schon etwas suchen will, oder doch nicht lieber erst ab Oktober. Trotz Frühmeldung, Erstgespräch bei leider nicht für mich zuständiger Dame (bin keine Wiedereinsteigerin, weil ich länger als ein halbes Jahr und mehr als geringfügig angestellt war!) und meiner Anwesenheit bei dem Beratungsgespräch! Daraufhin konzentrierte er sich also auf seinen Monitor und sein Zwei-Finger-Tipsystem und stellte fachmännisch fest, dass ich zuletzt als Sachbearbeiterin tätig war und er folgerichtig eine Stelle als Bürofachkraft für mich ausfindig machen wird. Mein Einwand, dass ich weder eine Ausbildung zu einer Bürofachkraft nachweisen kann und zuletzt nur einer kleinen Erwerbstätigkeit als Ergänzung zur Karenz ausübte, wischte er mit einem patzigen “was wollen´s denn dann machen?” und einem “ich muss von dem ausgehen, was sie zuletzt gemacht haben” zur Seite.  Am 1. Oktober habe ich wieder zu erscheinen, meine Arbeitsbestätigung vorzuweisen und einen Antrag auf Arbeitslosenunterstützung zu stellen. Wenn ich in der Zwischenzeit etwas finden sollte, wäre dies zu melden.  Nach dieser “Beratung” versuchte ich meinem Unmut mit Hilfe der Feedbackbögen (gleich neben der Vitrine mit den Foldern, die für ÖWD-Jobs für die Fussball-EM werben) rückzumelden. Dieser Bogen bietet die Antwortkategorien “Meine Erwartungen wurden übertroffen”, “Meine Erwartungen wurden erfüllt” (oder so ähnlich) und “Es könnte besser sein”. Abgesehen davon, dass es fast immer besser sein kann, gibt es keine Kategorie für “Meine Erwartungen waren niedrig und wurden absolut nicht erfüllt” oder vergleichbares! Am Ende des Feedbackbogens sollte Name und Adresse angegeben werden.  Ich denke, ich werde auch ohne massiver Unterstützung durch das AMS eine interessante Aufgabe finden. Dass Frauen, die aufgrund von Betreuungspflichten vorübergehend Tätigkeiten unter ihrere Qualifikation übernehmen, dann aufgrund dieser Tätigkeit weitervermittelt werden, macht mich trotzdem wütend. Dass Berater tätig sind, die nicht einmal die Grundlagen von Beratungsgesprächen beherrschen, damit beauftragt werden, Menschen bei so existentiellen Dingen wie Arbeitssuche zur Seite stehen, bleibt für mich unverständlich. Dass das AMS in Zeiten des Qualitätsmanagements keine anonymen Feedbackbögen zur Verfügung stellt, die diesen Namen auch verdienen, überrascht mich in diesem Zusammenhang schon nicht mehr.

mut?!

Dass wenige Wochen vor einer Nationalratswahl riesige Plakate wahlwerbender Parteien die Straßen säumen ist an sich nicht ungewöhnlich. Ungewöhlich erscheint mir allerdings eine Plakataktion auf die ich heute zwischen Salzburg und Wolfgangsee aufmerksam wurde: das BZÖ wirbt an mehreren Standorten mit alten Plakaten. Neben dem Slogan “mut gewinnt” und dem bekannten, wenn auch nicht mehr aktuellem, Bild Peter Westenthalers prangt der Wahltermin: 1. Oktober.

Photo: wien konkret

Oder sind die Plakate nur der plumpe Versuch eines politischen Gegeners/einer politischen Gegenerin den Wiedereinzug des BZÖ in den Nationalrat zu verhindern, indem potentielle WälerInnen bewusst in die Irre geführt werden, sodass sie am vermeintlichen Wahltag vor verschlossenen Wahllokalen stehen?