CHANGE

Ein langer, spannender, aufregender – ja historischer Wahlkampf ist zu Ende. Obama wurde zum neuen Präsidenten von Amerika gewählt. Und nun soll er kommen: der Wandel

Von ihm ist nun überall die Rede. In Fernsehbeiträgen, in Zeitungsartikeln, in blogs, in onlinevideos, an der Bushaltestelle, am Spielplatz etc. 

Selbst das Wetter hat davon Wind bekommen und von Herbst auf Frühling umgestellt – mit Vogelgezwitscher in strahlend hellem Sonnenschein. Sogar in meinem Kämmerchen ist er schon spürbar. Den ganzen Tag war ich damit beschäftigt auszumisten, einzusortiern, umzugestalten. Und dort kam er mir wieder unter. Die alten Schulunterlagen, die beim herumräumen aus dem Regal fielen, riefen ihn wach. Ich erinnerte mich an jene grauen Herbsttage, in denen ich aus dem Klassenfenster strarrte in Tagträumereien vertieft. Damals hieß er noch nicht Change. Er nannte sich Wandel. Plötzlich war er in meinem Kopf – spazierte dort im Kreis. Schließlich schrieb ich die paar Sätze nieder, obwohl sie für mich kaum einen Sinn ergaben. Wahrscheinlich bis heute keinen ergeben. 

Aber da bereits so viele schöne, große, geschichtsträchtige Worte gesprochen wurden. Da ich dem Geschehen der letzten Stunden, Tage und Wochen, was diese Wahl angeht ähnlich überfordert folge, wie jenem dieser Tage, gebe ich die Zeilen hier wieder, die ich damals noch ohne jede Sensibilität für Emanzipation oder gleichberechtigte PartnerInnenschaft fest hielt:

Ein Wandel

wollt mal wandeln gehn

da sah er eine Wandel stehn

die Wandel war so lieblich

die Wandel war so fein

da packte sie der Wandel

und führt sie in sein Heim

die Wandel war erschrocken

die Wandel war entzückt

der Wandel hätt vor Glück

sie beinahe erdrückt

bald gab es viele Wandelein

und Wandeln obendrein

die Zeit verging

sie blieb nicht stehn

die Wandeln wandel’n sich

sie wurden alt

sie wurden grau

Was dann ?

Ich weiß es nicht genau. 

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